Datenerfassung und Datenerhebung: Worin bestehen die Unterschiede?


Datenerfassung und Datenerhebung: Worin bestehen die Unterschiede?
Inhaltsverzeichnis
  1. Datenerfassung und Datenerhebung: Worin bestehen die Unterschiede?
  2. Definition: Datenerhebung vs. Datenerfassung
  3. Wann Daten sammeln?
  4. Primäre und sekundäre Forschung
  5. Der Umfang der Datensammlung
  6. Wie häufig werden die Daten erhoben?
  7. Überblick über einige Forschungsmethoden
  8. Die Gütekriterien für die Datenerhebung/Datenerfassung
  9. Datenerfassung und Datenerhebung - Resümee
Für eine wissenschaftliche Arbeit ist nicht selten eine Datenerfassung bzw. eine Datenerhebung von Nöten. Doch worin bestehen eigentlich die Unterschiede zwischen diesen beiden Methoden? Häufig werden die Begriffe synonym zueinander verwendet. Das ist jedoch falsch, wie der folgende Artikel zeigt. Dieser gibt nicht nur eine Definition für die beiden Begrifflichkeiten, sondern beschäftigt sich mit weiterführenden themenrelevanten Fragen (beispielsweise, warum Daten eigentlich erhoben werden müssen). 

Definition: Datenerhebung vs. Datenerfassung

  • Die Datenerhebung zielt darauf ab, mathematisch nicht zugängliche Daten zu erheben. Anders als die Datenerfassung erfolgt die Datenerhebung zu keinem Zeitpunkt simultan; die gewonnenen Daten müssen subjektiv interpretiert werden. Aufgrund von unterschiedlichen Forschungsbedingungen ist ein direkter Vergleich mit anderen Daten selten bzw. nur teilweise möglich.
  • Die Datenerfassung sammelt mathematisch unmittelbar zugängliche Daten. Die Erfassung erfolgt stets simultan oder zeitfolgerichtig; es werden objektive Daten gewonnen, sodass ein Vergleich mit ähnlichen Forschungen ermöglicht wird.
Das Ziel der Erfassung respektive der Erhebung von Daten besteht im Sammeln von Informationen, die dazu dienen, eine Forschungsfrage zu beantworten. Dementsprechend sind die Methoden ein wichtiger Bestandteil im wissenschaftlichen Alltag.

Wann Daten sammeln?

Es gibt allgemein zwei Gründe für die Datenerhebung/Datenerfassung:
  1. Es bestehen keine Daten, die der Beantwortung einer Forschungsfrage dienen.
  2. Es bestehen Daten, diese genügen jedoch nicht, um die Forschungsfrage zu beantworten.
Aus diesen beiden Begründungen lassen sich die folgenden “akademischen Einsatzgebiete“ der Datenerhebung und Datenerfassung ableiten.

Primäre und sekundäre Forschung

Neben den obigen Unterscheidungen kann ferner zwischen der Primärforschung und der Sekundärforschung differenziert werden. Bei Ersterer werden die benötigten Daten neu erfasst, was den Vorteil hat, dass die Erhebung auf die Forschungsfrage abgestimmt werden kann, sodass die gewonnenen Daten sehr präzise sind. Zudem führt die zeitnahe Erhebung/Erfassung dazu, dass die Datensätze für gewöhnlich aktueller sind als bei der Sekundärforschung. Da der oder die Forschende die Erhebungsbedingungen beeinflussen kann, können Vergleich zwischen ähnlichen Forschungen gemacht werden.
Demgegenüber nutzt die sekundäre Forschung bereits bestehende Daten aus anderen Forschungen. Somit ist diese Art des Arbeitens weniger komplex, günstiger als auch mit weniger Zeitaufwand verbunden. Da die erhobenen Daten i.d.R. bereits einer Analyse unterzogen wurden, steht dem/der Forschenden eine Orientierungshilfe in Bezug auf seine/ihre Ergebnisse zur Verfügung. Ein weiterer Vorteil der Sekundärforschung besteht darin, dass man selbst an schwer zugängliche Daten herankommt. Hier hat die Primärforschung das Nachsehen, da dem Akademiker manche Experten nicht für ein Interview o.Ä. zur Verfügung stehen.


Der Umfang der Datensammlung

Des Weiteren wird zwischen der Teil- und der Vollerhebung unterschieden:
Während bei Letzterer die Grundgesamtheit erfasst wird (zum Beispiel Volkszählung), erfasst die Teilerhebung lediglich ein Segment dieser. Es werden repräsentative Stichproben gemacht, um Rückschlüsse über die Grundgesamtheit anstellen zu können. Die Vollerhebung ist nur für geringe Grundgesamtheiten geeignet. Und zwar schlicht aus dem Grund, da der Aufwand sonst wesentlich zu groß wäre bzw. da eine Erhebung ab einem gewissen Maß nicht mehr realisierbar ist.

Wie häufig werden die Daten erhoben?

Daten können einmalig, mehrmalig oder sequentiell erfasst bzw. erhoben werden:
  1. Die einmalige Erfassung findet beispielsweise im Rahmen einer Bachelorarbeit statt.
  2. Werden mehrmalige Erhebungen durchgeführt, wird entweder der Erhebungsgegenstand oder die Erhebungseinheit variiert (beispielsweise zwei Befragungen einer Bevölkerung zu verschiedenen Themen).
  3. Bei der sequentiellen Erhebung bleiben der Gegenstand und die Erhebungseinheit gleich. Das Ziel besteht darin, zeitliche Entwicklungen festzustellen (z.B. bei Wahlumfragen).

Überblick über einige Forschungsmethoden

In diesem Abschnitt werden einige Methoden der Datenerhebung und Datenerfassung kurz vorgestellt.
  • Ein Fragebogen kann aus offenen oder Multiple-Choice-Fragen bestehen. Die Erfassung der Daten erfolgt schriftlich und verhältnismäßig schnell.
  • Beim Einzelinterview befragt der oder die Forschende eine Person zu einem bestimmten Thema.
  • Beim Experteninterview werden mehrere Personen befragt. Voraussetzung dafür, dass eine Person als Proband teilnehmen kann ist, dass er oder sie über ein langjähriges fachspezifisches Wissen verfügt.
  • Die Beobachtung ermöglicht das Erfassen von verbalen und nonverbalen Daten.
  • Tests und Messungen kommen vor allem für die quantitative Erhebung infrage.
  • Die Dokumentenanalyse hat den Vorteil, dass intern und extern zugängliche Daten schnell und günstig erfasst werden können (beispielsweise im Rahmen der Bedarfsanalyse für eine Firma).
  • Bei der Case Study (zu Deutsch: Fallstudie) werden die Daten nicht selten durch den Einsatz von unterschiedlichen Erhebungsmethoden gewonnen. 


Die Gütekriterien für die Datenerhebung/Datenerfassung

Zu guter Letzt sei darauf hingewiesen, dass die Datenerhebung/Datenerfassung einige Kriterien (Gütekriterien) erfüllen muss, um als wissenschaftlich fundiert zu gelten:
  1. Objektivität: Die Informationen müssen objektiv, d.h. unabhängig vom Forschenden erfasst werden.
  2. Reliabilität: Eine zuverlässige Auswertung der Daten ist nur möglich, wenn diese unter den gleichen Bedingungen erhoben werden.
  3. Validität: Die gesammelten Informationen müssen für die Forschungsfrage relevant sein und Rückschlüsse für diese erlauben.


Datenerfassung und Datenerhebung - Resümee

Dieser Artikel hat die Unterschiede zwischen der Datenerfassung und der Datenerhebung herausgestellt. Du weißt nun, im Rahmen welcher wissenschaftlichen Arbeiten diese zum Einsatz kommen können und welche Formen und Methoden es für das Sammeln von Daten gibt. Des Weiteren hast du dich in diesem Beitrag einen Überblick über die Gütekriterien der Datenerfassung und –erhebung verschafft. 
  • Tipp: Wer eine Datenerfassung bzw. eine Datenerhebung durchführen möchte, sollte sich weiterführend mit fachwissenschaftlicher Literatur zu dem Thema befassen.