Strukturiertes Interview richtig anwenden


Strukturiertes Interview richtig anwenden
Ein strukturiertes Interview ist an einen festen Fragenkatalog gebunden. Darüber hinaus gibt der Leitfaden auch eine Reihe von Antwortmöglichkeiten vor. Diese Art des Interviews ist in erster Linie für ein Vorstellungsgespräch im Einsatz. Der klar strukturierte Ablauf des Interviews eignet sich aber auch sehr gut für ein Experteninterview im Rahmen einer Abschlussarbeit. Es ist möglich, in kurzer Zeit die relevanten Daten über die Fragen zu sammeln. Auch die anschließende Auswertung lässt sich einfach umsetzen. Nutzen Studenten einen Ghostwriter für die Bachelorarbeit oder Masterarbeit, hilft dieser dabei, das strukturierte Interview bestmöglich anzuwenden. Im Folgenden alle wichtigen Informationen zu dieser Art der Interviewführung.
 

Was ist ein strukturiertes Interview?


Ein strukturiertes Interview nutzt einen konkreten Fragenkatalog. Dieser wird im Vorfeld vorbereitet und ist auf das Thema zugeschnitten. Daher kommt diese Interviewform häufig bei einem Vorstellungsgespräch zum Einsatz. Es ist möglich, gezielte Informationen über die Eignung des Kandidaten zu erhalten. 
Neben den Fragen sind auch die Antworten klar definiert. Allerdings geht es darum, Antwortkategorien zu schaffen und keine konkreten Antwortmöglichkeiten vorzugeben. Die gelenkte, aber dennoch offene Antwortoption unterscheidet ein strukturiertes Interview von einer Umfrage. 

Ein strukturiertes Interview setzt sich aus den folgenden Komponenten zusammen:
•    Fragenkatalog zu einem bestimmten Thema
•    Zumeist Ja/Nein-Antworten
•    Antwortauswahl – regelmäßig, unregelmäßig, nie
•    Präzise Frageformulierung – Nenne drei Gründe, warum….
 

Welche Arten von strukturierten Interviews gibt es?


Je nach Einsatzbereich und Motivation gibt es verschiedene Interviewarten, die zum Einsatz kommen. Ein strukturiertes Interview nutzt Fragen und Antworten, die auf den jeweiligen Bereich zugeschnitten sind:


BDI – Behavior Description Interview


Die Fragen beziehen sich auf reale Begebenheiten aus dem Leben des Befragten. Zum Beispiel wird das Verhalten in bestimmten Konfliktsituationen hinterfragt. Es wird vermieden, Fachwissen oder „gefühltes“ Wissen abzufragen. 


SI – Situatives Interview


Der Inhalt der Fragen bezieht sich auf mögliche Situationen, die in der Zukunft liegen könnten. Das dargestellte Szenario ist also fiktiv. Der Fragenkatalog soll aufdecken, wie die befragte Person sich selbst in der Situation sieht und einschätzt.


BI – Biografisches Interview


Hier geht es vor allem darum, Fakten abzufragen. In einem Vorstellungsgespräch würden zum Beispiel anhand des Lebenslaufs und der aktuellen Berufssituation Inhalte erörtert. Diese Technik lässt sich natürlich auch auf andere Bereiche übertragen – zum Beispiel auf Erfahrungen im privaten Umfeld.


MMI – Multimodales Interview


Das MMI-Interview ist ein Acht-Phasen-Interview. Es dient dazu, eine Kombination der bereits genannten Methoden zu nutzen. In einem Experteninterview werden so die eigenen Erfahrungen angesprochen, die individuellen Kompetenzen offengelegt und eine Selbsteinschätzung abgefragt. 


Die Phasen eines strukturierten Experteninterviews



Ein strukturiertes Interview nach Fragenkatalog ist zumeist in fünf Phasen unterteilt. Je nach Einsatzgebiet dauert ein Interview zwischen 45 Minuten und zwei Stunden. Die konkreten Inhalte der einzelnen Phasen werden durch verschiedene Faktoren bestimmt. Unter anderem ist es relevant, welche Informationen gesammelt werden sollen. Auch die Art der Interviewführung ist relevant. Zumeist läuft ein strukturiertes Interview in folgenden Phasen ab:
1.    Smalltalk – Kurzer Gesprächseinstieg über allgemeine Frage. „Haben Sie unser Büro direkt gefunden?“ Kurze Besprechung über die Dauer des Interviews und den Gesprächsverlauf.
2.    Kennenlernphase – Hier kann sich der Befragte als Experte positionieren. „Warum sind Sie der richtige Ansprechpartner zu diesem Thema?“ Im Rahmen eines Vorstellungsgespräches können individuelle Kompetenzen erfragt werden.
3.    Präsentation – Der Interviewer erläutert seine Position und das Anliegen des Interviews. Welcher Zweck wird hier verfolgt?
4.    Rückfragen – Der Befragte hat die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen. Diese sollten relevant zum Thema sein. Die Rückfragen können zum Beispiel Aufschluss darüber geben, an welcher Stelle der Leitfaden optimiert werden kann.
5.    Ende – In einem kurzen Abschluss wird angesprochen, wie das weitere Verfahren ist. Wann werden Daten ausgewertet? Was geschieht mit den gesammelten Daten?


Strukturiertes Interview-Leitfaden Beispiel


Der konkrete Inhalt des Leitfadens wird natürlich durch die Forschungsfrage definiert. Im Folgenden ein Beispiel für den Aufbau eines Fragenkatalogs:

Forschungsfrage

Welchen Einfluss haben die sozialen Medien auf unsere Selbstwahrnehmung?

Smalltalk
•    Begrüßung, Danksagung
•    Thema umreißen
•    Interviewverlauf beschreiben
•    Datenschutzvereinbarung

Fragen für den Einstieg

Wie lange nutzen Sie soziale Medien?

Auf welchen Plattformen sind Sie aktiv?

Kernfragen

      1.    Haben Sie das Gefühl, dass die sozialen Medien Ihre Selbstwahrnehmung beeinflussen?
Mögliche Rückfrage:
Wie äußert sich dies?
     2.    Welche Plattformen haben einen besonders großen Einfluss auf Ihre Selbstwahrnehmung?
Mögliche Rückragen:
Welche Elemente dieser Plattformen sind besonders dafür verantwortlich?
Ist Ihre Selbstwahrnehmung positiv oder negativ beeinflusst?
     3.    Nennen Sie positive Auswirkungen der sozialen Netzwerke auf Ihre Selbstwahrnehmung.
Mögliche Rückfrage:
Hat dies im Alltag Auswirkungen auf Ihr Verhalten?
     4.    Nennen Sie negative Auswirkungen der sozialen Netzwerke auf Ihre Selbstwahrnehmung.
Mögliche Rückfrage:
Hat dies Auswirkungen auf Ihr Verhalten im Alltag?

Rückblick/Rückfragen

•    Zusammenfassung der Antworten
•    Mögliche Rückfragen besprechen

Abschluss

•    Was geschieht mit den Daten?
•    Wann geschieht es?
•    Dank und Verabschiedung


Vor- und Nachteile von strukturierten Interviews in der Übersicht


Vorteile
•    Schnelle Datenerhebung
•    Leichter Datenabgleich 
•    Kann auch per Telefon durchgeführt werden
•    Kurze Interviewdauer
Nachteile
•    Antwortmöglichkeiten geben Inhalt vor
•    Vorgegebene Antworten lenken Befragten in eine bestimmte Richtung
•    Antworten können schnell generalisiert sein


Strukturiertes Interview – 3 Tipps zur Durchführung


1.    Am besten geschlossene Fragen (Ja/Nein-Antworten) und offene Fragen nutzen. So werden mehr und individuellere Informationen gesammelt. 
2.    Den Fragebogen am besten an Freuden oder Kommilitonen testen. So lassen sich komplizierte oder unlogische Fragen eliminieren.
3.    Wenn möglich, die Interviews persönlich durchführen – so lässt sich das Verhalten des Gegenübers besser einschätzen.