Grundwissen zur Methodik der Bachelorarbeit


Studenten führen eine Umfrage durch, junge Dame antwortet auf die Fragen
Im Methodikteil deiner Bachelorarbeit beschreibst du die Methoden, die du verwendet hast, um deine Fragestellung zu beantworten. Die spezielle Beschreibung macht etwa 10 Prozent des Textes aus. Hierbei handelt es sich allerdings eher um eine Richtlinie denn um eine fixe Regel. 
Du möchtest mehr zur Methodik der Bachelorarbeit erfahren? In diesem Beitrag lernst du, worin das Ziel des Abschnitts der BA genau besteht, welche Arten von Forschung und Forschungsmethoden es gibt und wie du die Methodik der wissenschaftlichen Abhandlung schreibst. 


Das Ziel der Methodik in der Bachelorarbeit


Wie bereits erwähnt, erklärst du im Methodikteil, welche Methoden in der Untersuchung zum Einsatz kamen und wie du bei der Forschung genau vorgegangen bist, um Ergebnisse zu erzielen. Der Grundgedanke dahinter: Die Forschung wird reproduzierbar und somit valide als auch reliabel. Anders ausgedrückt: Führt eine andere Person dieselbe Untersuchung unter der Verwendung derselben Methoden durch, erzielt er oder sie gleiche oder zumindest ähnliche Ergebnisse.


Vergleich: deduktiv oder induktiv forschen


Je nach Forschungsfrage und aktuellem Forschungsstand empfiehlt sich eine deduktive oder induktive Vorgehensweise für die Bachelorarbeit:

—   Bei der deduktiven Forschung schließt du von einer allgemeinen Aussage auf einen Einzelfall. Das heißt, du überprüfst eine geltende Theorie anhand eines bestimmten Beispiels; du stellst mit Hilfe deiner Forschungsfrage eine Hypothese auf und versuchst diese Annahme durch deine Untersuchung zu belegen respektive zu widerlegen. Hierbei handelt es sich vermutlich um die am weitesten verbreitete Forschungsart, was Bachelorarbeiten angeht.
—    Die induktive Forschung funktioniert genau andersherum, d.h. du nutzt einen Einzelfall, um eine allgemeingültige Aussage zu treffen. Anders ausgedrückt: Du versuchst ein bestimmtes Phänomen zu beobachten und Schlussfolgerungen hieraus abzuleiten. Anders als bei der deduktiven Forschung stellst du die Theorie hier demnach erst nach der Datenerhebung auf. Beachte, dass diese Art der Forschung sehr herausfordernd sein kann. Es ist nämlich oft schwer, gemachte Beobachtungen zu pauschalisieren.

    •    Tipp: Sprich dich mit deinem Betreuer ab, welche Methoden(n) die richtige ist/sind, um deine Forschungsfrage zu beantworten; in manchen Fällen ist die Methodik der Abschlussarbeit durch die Prüfungsordnung vorgegeben. 


Überblick: diese Forschungsmethoden gibt es


Bei den Forschungsmethoden unterscheidet man grundsätzlich zwischen qualitativen und quantitativen Methoden. Erstere erfordern keine allzu umfassenden theoretischen Grundlagen, um mit der Untersuchung zu beginnen. Stattdessen gewinnt der Forscher/die Forscherin Erkenntnisse und untermauert diese anschließend mit theoretischen Erklärungen. Darauf aufbauend werden Hypothesen gebildet. 
Quantitative Methoden setzen hingegen eine gründliche theoretische Recherche voraus. Nur so kann die anfängliche Fragestellung in Hypothesen umgewandelt und diese anschließend verifiziert (= bestätigt) bzw. falsifiziert (= verworfen) werden. Die folgende Tabelle stellt die beiden grundlegenden Arten von Forschungsmethoden gegenüber.
Forschungsmethoden Merkmale Beispiele Vorteile Nachteile



Qualitativ
• Für induktive Forschungen geeignet
• Das Ziel besteht im Beschreiben und Verstehen von Phänomenen

 
• Beobachtung
• Interview
• Gruppendiskussion
• Offene Vorgehensweise ermöglicht das Entdecken von neuen Gesichtspunkten
•  Flexibilität auf Seiten des/der Forschenden
• Bei Unklarheiten: Forschende/-r kann persönlich nachfragen
• Allgemein sehr zeit- und kostenintensiv
• Insbesondere die Datenauswertung erfordert viel Aufwand
• Hohe Anforderungen an die befragten Personen


Quantitativ
• Kommen für die deduktive Forschung infrage
• Zusammenhänge werden erklärt und gemessen

• Experiment bzw. Test
• Standardisierte Befragung (schriftlich oder mündlich)
• Geringer Kosten- und Zeitaufwand
• Exakt messbare Ergebnisse
• Aufgrund von größerer Stichprobe: höhere Objektivität und Validität
• Ermöglicht keine Ursachenforschung
• Kaum Flexibilität (da standardisiert)

    •    Hinweis: Es gibt eine Vielzahl an qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden, die sich für die Bachelorarbeit eignen. Aufgrund der enormen Auswahl beschränken sich die folgenden Abschnitte auf die vermeintlich wichtigsten Methoden. Bedenke, dass du auch verschiedene Verfahren miteinander kombinieren kannst. 


Mit Umfragen und Experteninterviews aktuelle Entwicklungen erforschen


Eine Umfrage oder ein Experteninterview sind hervorragend geeignet, um ein aktuelles Phänomen oder eine aktuelle Entwicklung genau zu betrachten. Diese Herangehensweisen ermöglichen die praxisnahe Behandlung von theoretischen Themen als auch von solchen, zu denen nicht viel Literatur zur Verfügung steht.
Man muss allerdings sagen, dass diese beiden Methoden viel Recherchearbeit und Zeit erfordern. Und zwar insbesondere, um den entsprechenden Fragebogen bzw. Fragenkatalog zu entwerfen und um die Interviews zu transkribieren. Hinzu kommt die Tatsache, dass die/der Forschende auf die Zusammenarbeit mit anderen Personen (Experten o.Ä.) angewiesen ist. 

        •    Das Experteninterview ist eine besonders beliebte empirische Methode unter Studenten und Studentinnen. Und zwar insbesondere für eine Masterarbeit.  


Literaturarbeit und Inhaltsanalyse – bestehende Forschungen untersuchen


Die Inhaltsanalyse und die Literaturarbeit bauen stark auf den bereits durchgeführten Forschungen und der Literatur zum jeweiligen Thema auf. Entscheidest du dich für eine reine Literaturarbeit, erfordert das eine exzellente Recherche. Schließlich stützt du deine Untersuchung auf bereits Existierendes und ordnest dieses neu ein; eine eigene Datenerhebung entfällt. Hieran wird ein Nachteil dieser Methode deutlich: Sie eignet sich für gewöhnlich nicht, um aktuelle Ereignisse zu erforschen. 
Die Inhaltsanalyse kommt hingegen für die „Diskussion“ von aktuellen Materialien (z.B. Zeitungsartikel oder Journals) infrage. Sie lässt sich sowohl qualitativ als auch quantitativ durchführen und bietet die Möglichkeit, Entwicklungen über einen bestimmten Zeitraum besonders effektiv nachzuverfolgen. 


Beobachtung, Experiment und Gruppendiskussion als Forschungsmethode


Eine Beobachtung, ein Experiment oder eine Gruppendiskussion ist die richtige Methodenwahl, wenn du unbewusste Aspekte erfassen möchtest. Ebenso kannst du von diesen Methoden Gebrauch machen, wenn du eine vollständig eigene Fragestellung entwickelst, für deren Beantwortung du bisher unerforschte Einblicke benötigst. 

—   In einem Experiment wird eine künstliche Situation erzeugt. Der/die Forschende hat hierbei sehr viele Freiheiten. Das ist Fluch und Segen zugleich: Es besteht die Möglichkeit für eine individuelle Forschung, allerdings müssen feste Komponenten für das Vorgehen determiniert werden, damit die Erhebung von anderen Forschern nachempfunden bzw. „nachgemacht“ werden kann.
—    Auch eine Beobachtung erfordert die gründliche Auswahl von gut begründeten Determinanten, die zuverlässige Vergleiche und Schlüsse erlauben. Diese Forschungsmethode ist rein subjektiv und es ist nicht immer einfach, Zugang zum Objekt bzw. Subjekt des Interesses zu bekommen, beispielsweise, wenn Kinder im Fokus der Forschung stehen.
—    Die Gruppendiskussion ist ein sehr dynamisches Verfahren und birgt die Gefahr, dass diese Dynamik das Vorhaben beeinträchtigt. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass du bei der Gruppenzusammensetzung auf „Ausgewogenheit“ setzt – besteht keine ausgewogene Dynamik zwischen den Mitgliedern, ist deine Forschung zum Scheitern verurteilt. Genau wie das Experteninterview erfordert diese Art der Diskussion das Transkribieren des Gesagten. Im Gegensatz zum Ersteren kann diese Methode allerdings auch ohne Experten durchgeführt werden.

    •    Wichtig: Die Ergebnisse dieser Verfahren können nicht generalisiert werden, d.h. du musst sie wie Fallstudien behandeln.


Der Aufbau der Auswertung


In der Methodik der Bachelorarbeit erläuterst du auch, wie die Datenanalyse gestaltet wurde, sprich: welche Art von Analyse kam zum Einsatz, um zu den Ergebnissen zu kommen? Je nach den Richtlinien der Universität beziehst du diesen Aspekt mit in den Ergebnisteil ein oder du erstellst ein separates Kapitel. Beachte unabhängig davon, dass du die gewählten Modelle hier nicht genau beschreibst. Dies geschieht im theoretischen Rahmen.  

Beispiel: Um die Daten zu analysieren, wurden sämtliche Grafiken aus Berichten über Schüler und Schülerinnen, die im Jahr 2017 das Abitur gemacht haben, in SPSS eingegeben. Um Ergebnisse zu erhalten, wurden diese Daten anschließend mit Hilfe eines statistischen Tests analysiert.

    •    Merke: Bevor du erläuterst, wie du bei der Datenauswertung vorgegangen bist, musst du aufzeigen, wie die Daten verarbeitet wurden (z.B. mit SPSS, Excel oder einem anderen Programm).

Übersicht: Möglichkeiten der Datenanalyse
In der qualitativen Forschung In der quantitativen Forschung

– Kodieren von Interviews
–Vergleich von Daten
–Kategorienbildung
–Eine Kombination dieser Methoden
 

– Regressionsanalysen
– Statistische Tests
– Die Verbindung dieser Methoden


Informationen zur Zeitform der Methodik


Abschließend sammelst du ein paar konkrete Hinweise für das Schreiben deines Methodikteils:

    ►    Die Methodik wird im Präteritum, d.h. in der ersten Vergangenheitsform (z.B. „Die Zielgruppe war…“) sowie im Präsens (z.B. „Die Daten werden analysiert, indem…“) verfasst.
    ►    Frage den Dozenten, ob er „Sonderwünsche“ für den Teil hat (z.B. nur im Präsens schreiben).
    ►   Erfordert die Prüfungsordnung deines Studiums das explizite Darlegen der Validität und der Reliabilität der Forschung, verwendest du hierfür das Präsens (z.B. „Die Untersuchung ist valide, weil…“).
 

Bachelor Checkliste: Methodik


     Die Länge des Methodikteils beträgt ungefähr 10 Prozent des Gesamttextes.
    Die Forschungsart sowie die Forschungsmethode werden angegeben.
    Die Eigenschaften der erhobenen Daten sind zu beschreiben.
    Es wird erläutert, welches Verfahren für die Analyse der Daten zum Einsatz kam.
    Die verwendeten Modelle werden nicht beschrieben, sondern nur angegeben.
    Bei entsprechenden Vorgaben seitens der Hochschule: Die Reliabilität und die Validität der Forschung werden erörtert.